Unbedachte Sprüche mit verheerender Wirkung

In Charlottesville im Bundesstaat Virginia steht eine 1924 errichtete Statue, die Robert E. Lee darstellt, ein General der Confederate States of America, dem Zusammenschluss der Südstaaten der USA vor und während des amerikanischen Bürgerkriegs 1861-1865. Für viele ist General Lee ein Held, weil er für die Überlegenheit der Weißen, für die Sklaverei und für eine auf Marktkulturen und Naturalpacht basierte Agrarwirtschaft kämpfte. Im April 2017 beschloss das Stadtparlament mit großer Mehrheit jedoch, diese Skulptur sowie andere an die kurze Zeit der Konföderierten Staatenerinnernde, öffentlich zur Schau gestellten Memorabilien von städtischen Gebäuden und Parkanlagen zu entfernen. Dieser Beschluss hat das rechtsextreme Spektrum auf den Plan gerufen. Mit Mahnwachen, Protesten und Fackelzügen kämpft eine Koalition aus rechtsextremen Gruppierungen für den Erhalt der Skulptur. Jeder dieser Proteste hat wiederum Gegendemonstranten herbeigerufen. So geschehen am vergangenen Sonnabend in Charlottesville. Eine junge Frau starb und 19 Menschen wurden zum Teil schwerst verletzt,weil ein rechtsextremer 20-Jähriger mit der demokratischen Meinung der Demonstranten nicht einverstanden war. Rassismus, Bigotterie, Sexismus, Misogynie gibt es leider überall auf derWelt, auch in den USA. Unter einem Donald Trump sind die Rechtsradikalen jedoch in den USA im Aufwind, denn er hat sie wieder salonfähig gemacht. Immer wieder hat er während seiner Kandidatur Andersdenkende und Andersaussehende beschimpft und aus seinen Kundgebungen entfernen lassen. Mehrmals forderte er die gewalttätige Abschiebung von vermeintlichen Illegalen. Trump distanzierte sich nicht von den Rechtsradikalen, die ihn öffentlich unterstützt haben, nicht einmal von David Duke, einem führenden Mitglied des Ku-Klux-Klans. Als Präsident hetzt er weiter gegen seine sogenannten Feinde: Schwule, Lesben, Transsexuelle, Muslime, Lateinamerikaner, politische Gegner und wer auch sonst es wagt, ihn zu kritisieren. So hat Trump die Rechtsradikalen der USA ermutigt und befähigt, Gewalt anzuwenden; so hat er diese Menschen ermächtigt, anderen das Leben zunehmen. Dass er sich von dieser rechten Gewalttat nicht distanziert, sondern unter anderem den Opfern die Schuld gibt, ist eine weitere Befähigung für künftige Gewalttaten. Er pfeift auf Political Correctness, merkt jedoch nicht, welche Wirkung seine Worte und seine unbedachten Sprüche auf die Öffentlichkeit in den USA haben. Auch eine Ära Trump geht vorbei. Doch im Moment scheint sie ein endloser Weg von Fehltritten zu sein.

Neil van Siclen über Charlottesville. Namentlich gekennzeichnete Kommentare geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Unser Gastautor ist in Boston aufgewachsen und amerikanischer Staatsbürger. Mittlerweile lebt er seit 35 Jahren in Deutschland. Er ist Inhaber von Admundi Professional und Präsident des Carl Schurz Deutsch-AmerikanischenClubs in Bremen.

Weser Kurier, 2017-08-16, S. 2