CSDAC – Reise ins Hohenloher Land – Reisebericht

Bericht über unsere Reise ins Hohenloher Land vom 19.6. bis 22.6.2017

 

„Ihr fahrt ins Hohenloher Land? Wo liegt das denn?“ war die gängige Frage, wenn man das diesjährige Reiseziel der Gruppe angab. Es liegt im nordöstlichen Bereich Baden/ Württembergs – zwischen den Flüssen Kocher, Jagst und Tauber – mit den bekannten Städten Schwäbisch-Hall im Süden und Bad Mergentheim im Norden.

Wir starten am 19. 6.2017 früh am Morgen und erreichen auf halber Wegstrecke unser erstes Ziel: die Herrgottskirche in Creglingen. Dort bewundern wir den feingliedrig geschnitzten Hochaltar, von den begnadeten Händen Tilmann Riemenschneiders geschaffen – eines seiner Hauptwerke. Von 20 von ihm ehemals erstellten Altären sind heute leider nur noch drei erhalten.

Am Abend erreichen wir unser *****Sterne Ringhotel in Schwäbisch-Hall und sind von der Anlage, dem Komfort der Einrichtung und dem vorzüglichen Essen begeistert. Eine Sole-Badelandschaft steht jedem Hotel-Gast kostenlos zur Verfügung, wovon wir natürlich gern Gebrauch machen.

Ein wichtiger Grund, diese Gegend zu besuchen, ist auch, die Sammlung Würth kennen zu lernen. Diese Sammlung – angelegt von dem Unternehmer Reinhold Würth – ist eine der größten und bedeutendsten Privatsammlungen von Kunst des 20. Und 21. Jahrhunderts in Deutschland. Sie umfasst über 15.000 Werke, insbesondere der klassischen Moderne, aber auch der Renaissance.

Wir besuchen am Vormittag die Kunsthalle Würth, wo wir Bilder und Skulpturen von internationalem Format unter dem Thema: Wasser, Wolken, Wind zu sehen bekommen und am Nachmittag die von Würth erworbenen altdeutschen Gemälde des 15./16. Jahrhundert in der Johanniter-Halle. Beide Ausstellungen befinden sich in der Stadt Schwäbisch-Hall, über die uns ein Stadtführer zwischendurch noch wortreich Auskunft erteilt.

Mit einer 1-stündigen Weinprobe von 7 verschiedenen Rebsorten aus der näheren und weiteren Umgebung geht ein erlebnisreicher 2. Tag zu Ende.

Schloss Weikersheim, ein Hohenloher Glanzpunkt der Renaissance, erwartet uns am nächsten Morgen. Üppig ausgestattete Zimmer für Empfänge bekommen wir zu sehen, prunkvolle Schlaf- und Wohngemächer sowie einen Rittersaal, der der herrschaftlichen Jagd gewidmet ist und auch heute noch zu Festlichkeiten genutzt wird. Der anschließende Schlossgarten ist – wie zu damaliger Zeit üblich – dem Versailler Vorbild nachempfunden, mit ca. 100 steinernen Figuren, darunter auch eine Reihe damals geschätzter zwergwüchsiger Skulpturen.

Am Nachmittag werden wir in Stuppach/Bad-Mergentheim in der Pfarrkirche Mariä Krönung erwartet, wo das kostbare Marienbild von Matthias Grünewald zu sehen ist. In der stark abgesicherten kleinen Kirche gibt uns eine sehr eloquente Führerin Deutungen zu den Darstellungen von Maria und Sohn Jesus, sowie einigen Allegorien.

Dank des guten Wetters können wir am Abend vor der großen Treppe der Stadtkirche St. Michael in Schwäbisch-Hall das Schauspiel „Brenz 1548“ erleben und erfahren etwas über das Wirken des Schwäbisch-Haller Reformators und Zeitgenossen Luthers. Beeindruckend, wie die meist jungen (Berufs)-Schauspieler die vielen Stufen auf- und abspringen – die Schwerkraft außer Kraft zu setzten scheinen – und das in der Urlaubs- bzw. Ferienzeit allabendlich.

Als Alternative gibt es die Wahlverwandtschaften von Johann Wolfgang von Goethe in einer modernen Fassung von G. Heun.

Etwa in der Mitte des Hohenloher Landes liegt das Städtchen Künzelsau, hier befindet sich der Hauptsitz des Unternehmens Würth, das sich mit dem Vertrieb von Montage- und Befestigungsmaterial weltweit beschäftigt und mit ca. 70.000 Mitarbeitern in 430 Niederlassungen 125.000 Produkte vertreibt. Dazu zählen auch Finanzdienstleistungen, Hotels und Gastronomiebetriebe.

Wir besuchen heute das Museum Würth, das an das Verwaltungsgebäude des Konzerns angebunden ist. Der ebenso kunstsinnige wie auch höchst erfolgreiche Geschäftsmann, Reinhold Würth, hat es verstanden, Kunst und Technik miteinander zu verbinden. Das drückt sich in der transparenten und plastischen Formgebung der Gebäude aus, wie auch in den Exponaten und Skulpturen im Inneren.

Von Waldenburg sind wir ein wenig enttäuscht: das Schloss ist nicht zu besichtigen und die „historische“ Altstadt ist wenig interessant.

Ein wunderschöner Ausblick in die Hohenloher Ebene von einem platziert gelegenen Restaurant entschädigt uns dafür. Hoch über dem Kochertal erhebt sich wehrhaft und majestätisch das Kloster Großcomburg – ein Monument von europäischem Rang.

Für 2 Kostbarkeiten ist es bekannt: das vergoldete Antependium und den sehr seltenen romanischen Radleuchter (weltweit existieren nur noch 4 davon); sein aufwändig gestalteter Reif mit den 12 Tortürmen symbolisiert das „Himmlische Jerusalem“.

Nach diesem Tag heißt es Abschied nehmen von einem wunderschönen Teil Deutschlands, den wir auf dieser Reise kennen lernen durften.

Nach einem Besuch des Deutschordensmuseums in Bad Mergentheim und im Mörike-Kabinett können wir den Dichter verstehen wenn er sagt: “ Hohenlohe ist eine besonders zärtlich ausgeformte Handvoll Deutschland“.

Bremen, 24. Juni 2017

H.-Dieter Crome